| Es verwundert also nicht, dass sich sogleich die Zensurbehörde einschaltete, als bekannt wurde, an welchem Thema Verdi begonnen hatte zu arbeiten. Glücklicherweise war der zuständige Polizeichef ein Verehrer des Komponisten, und so konnte die Oper endlich - wenn auch mit einigen Änderungen - ihre Uraufführung erleben. Sie wurde ein Triumph. Ganz unverständlich ist die Haltung der Zensur nicht, beherrschten doch bis dahin zumeist Priesterinnen und Feldherren, Könige, Königinnen und Grafen die Opernszene. Und nun stellte Verdi einen buckligen Hofnarren in den Mittelpunkt der Handlung - einen zwiespältigen Charakter, einerseits liebender Vater seiner Tochter Gilda, andererseits speichelleckerischer Vollstrecker der Wünsche seines herzoglichen Herrn. In den drei Hauptpartien - Gilda, Herzog und Rigoletto - wartet diese Produktion des Berliner RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) mit drei - zum Zeitpunkt der Aufnahme - jungen Stimmen auf, die in den folgenden Jahren ein Millionenpublikum begeistern sollten. Rita Streich, Rudolf Schock und Josef Metternich standen am Beginn rasanter Karrieren. Beherrscht wird diese Einspielung jedoch von Ferenc Fricsay, der damit erneut seine Meister-schaft als Operndirigent unter Beweis stellt. Nachdem beim Westdeutschen Rundfunk in Köln eine „Troubadour"-Gesamtaufnahme gelöscht wurde und nur noch als technisch wenig befriedigender Privatmitschnitt kursiert, scheint „Rigoletto" die einzige offiziell erhalten gebliebene Gesamtaufnahme einer Verdi-Oper unter Fricsays Leitung zu sein. Aus RIAS-Produktionen gibt es mit ihm allerdings noch in größerem Umfang Fragmente aus „Othello" und „La Traviata" - beide mit Josef Metternich und Peter Anders. |