Viele seiner Stücke tragen in ihrer unmittelbaren Tonsprache den Charakter von Improvisationen - wie Komposition ja auch, nach einem Wort Schönbergs, verlangsamte Improvisation ist - andere Werke sind unvollendet geblieben und nur fragmentarisch erhalten.
Nietzsches Kompositionen geben subjektive Stimmungen wieder, sein musikalisches Schaffen erwächst aus einer entsprechenden „Gestimmtheit", braucht vielfach auch einen äußeren Anlass, den er den Werken durch Widmungen voranstellt. Trotz gegenteiliger Meinungen zeugen Nietzsches Kompositionen von großem musikalischem Talent, vor allen Dingen von einer melodischen Begabung, die man vielleicht am deutlichsten in seinen Liedern, aber auch in seinen beiden Klaviersonaten spüren kann.
Michael Krücker nähert sich auf der vorliegenden Aufnahme Nietzsches Musik über sein Klavierwerk, die Kompositionen für das Instrument von dem her Nietzsche satztechnisch und harmonisch überwiegend gedacht hat. Die meisten der Klavierminiaturen, die auf dieser CD präsentiert werden, entstammen der Zeit zwischen den Jahren 1861 und 1865, seiner Schul- und Studienzeit, die die produktivste Phase des Komponisten Nietzsches gewesen ist. Die beiden „polnischen Tänze" etwa, die in ihrer Klangschönheit und leisen Melancholie an Frédéric Chopin erinnern, oder die „Heldenklage" entstanden 1862. Im Zentrum der vorliegenden Aufnahme steht Nietzsches „Hymnus". Es ist seine letzte eigentliche Komposition, als eine Art „Freundschaftsbundeshymne" ein Geschenk an seine Freunde.
Diese Einspielung enthält Nietzsches gesamtes Schaffen für Klavier solo, soweit es vollständig erhalten ist - den vollendeten Werken Nietzsches hat Michael Krücker übrigens auch Fragmente zur Seite gestellt, Miniaturen von der Kürze der Aphorismen, die Nietzsche als philosophische Ausdrucksform bevorzugt nutzt. Unter den erhaltenen Fragmenten hat Michael Krücker eine Auswahl getroffen und präsentiert nur die Stücke, die, obwohl nicht vollendet, eine innere musikalische Schlüssigkeit aufweisen. |